Pressestimmen
BAZ 25.2.06
 
Kurz getanzt – viel erzählt
„TANZ-FAKTOR 6“ / Die Plattfrom für aktuelles Tanzschaffen macht vor, dass in der Kürze manchmal tatsächlich die Würze liegt.
 
BASEL. Die Zürcherin Mirjam Niederöst bringt es in ihrem Kurztanzstück „Vom Geldverdienen“ auf den Punkt: „Es ist, wie wenn ich gar nicht existieren würde“, erklärt die Tänzerin dem Publikum des „Tanz-Faktor 6“ im Sudhaus Warteck in einer Videosequenz von der Leinwand herab. Niederöst reflektiert in dieser Performance ihre alltäglichen Schwierigkeiten als frei schaffende Tänzerin. Die Nahaufnahmen ihres Gesichts spiegeln zwar das Befremden und die Verzweiflung, zu denen diese Situation Anlass gibt – das Ganze ist aber mit einer vergnüglichen Portion Selbstironie angereichert.
„Vom Geldverdienen“ dauert nur gerade mal elf Minuten und schafft es dennoch, mit dramaturgischer Raffinesse, Prägnanz und tänzerischer Präsenz die ganze Misere der zeitgenössischen Tanzschaffenden in der Schweiz auf die Bühne zu bringen. Dass nämlich der Berufsstand der Tänzer und Tänzerinnen in der Schweiz noch nicht einmal anerkannt ist, führt dazu, dass Tänzerinnen und Tänzer durch alle sozialen Sicherheitsnetze fallen.
                                                     Von Jana Ulmann
Neue Zuger Zeitung                                    
26.11.07
 
Zwischen Reduktion und Persiflage
Tanzzug – An zwei Abenden wurde fünf Produktionen gezeigt
 
Eine Frau sitzt währen zehn Minuten fast unbeweglich auf einem Hocker in der Bühnenmitte und spricht Sätze so ähnlich wie „Ich wäre gerne klitzeklein, damit du mich in deine Tasche stecken und überall hin mitnehmen könntest“ oder „Ich wäre gerne viel leichter“. Das Kurzstück mit dem Titel „Frida“ (Choreografie Mirjam Niederöst, ZH) wurde vergangenen Samstag als letzte der vier Förderproduktionen im Rahmen von tanzzug gezeigt, und es mag manch einer Zuschauerin etwas schwer gefallen sein, diese Präsentation als Tanz wahrzunehmen.
Die Frauenfigur (Andrea Frei, ZH) ist der von körperlichen Leiden geplagten Malerin Frida Kahlo nachempfunden, sie leidet an der Unmöglichkeit einer Befreiung von Begrenzung und Schmerz. In der konzentrierten Reduziertheit ihrer Bewegungen vollzieht sie eine Art Nicht-Tanz, bei dem die Möglichkeit freier Ausdrucksfülle als Sehnsuchtsmoment aber gleichzeitig mitschwingt.
                                                                            Steffanie Herzberg
Neue Zürcher Zeitung 14.3.03
 
Einer, Zweier, Dreierkiste
Petits Fours in der Roten Fabrik
 
Die Reihe Petits Fours in der Roten Fabrik erlaubt regelmässig Einblicke in die Zürcher Tanzszene und zeigt zunehmend auch Kurzstücke von Compagnies aus der ganzen Schweiz. Die neuste Ausgabe präsentiert drei sehr unterschiedliche Stücke, deren Gemeinsamkeit darin besteht, dass sie in sich selbst heterogen wirken.
 
Den Anfang mach Mirjam Niederöst mit ‚Grenzwerte’. Die Zürcherin lotet in ihrem Solo Grenzen verschiedenster Art aus, Grenzen von Körper, Raum und Verhalten. Dadurch fällt das Stück insgesamt allerdings etwas auseinander. Schön sind aber einzelne Momente und Bewegungsfolgen, etwa wenn zu Beginn der Körper am Boden liegend sich nur minim und in Zeitlupe bewegt, sich die Arme gegen die Schwerkraft stemmen. Oder die vibrierende Hektik, die den Körper in Besitz nimmt und die Hände flattern lässt. (...)
                                                                                                                                                                                                    Felizitas Ammann